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Wie Tirol den Krankheitserreger auch nach Osteuropa exportiert hat

Alle Welt spricht davon, wie die Tiroler Virenschleudern Paznaun, Arlberg, Ötztal, Zillertal usw. halb Europa, und da meint man vor allem Deutschland, Holland, England, Island, Dänemark usw., über die Urlaubsgäste angesteckt haben. Dabei geht völlig unter, wie auch der Osten durch behördliches Versagen, man muss fast sagen: auf behördliche Anordnung, reichlichst mit Infizierten versorgt worden ist. Von einem Tag auf den anderen, vom 13. März auf den 14. März, hat man sich in Ischgl, in St. Anton, in Sölden und anderswo Tausender Saisonarbeiter entledigt, wie man sich eines Putzfetzens entledigt, den man nicht mehr braucht. Nicht nur die zahllosen SchwarzarbeiterInnen mussten ganz schnell weg, raus aus den Hintertälern. Her mit dem Kontingent im Herbst! Und, pfui!, ab mit euch, wenn der Laden steht.

 


Eine Initiative, die in Tirol vor allem ungarische FremdarbeiterInnen arbeitsrechtlich berät und unterstützt, schreibt mir zu den Vorgängen von Mitte März in den Massentourismusorten u.a.:


Es stimmt, dass sehr viele Betriebe die MitarbeiterInnen zum Unterschreiben einvernehmlicher Lösungen gezwungen haben, indem sie mit Entzug vom Geld und/oder Unterkunft erpresst worden sind.
Es stimmt, dass MitarbeiterInnen rückdatierte Unterlagen unterschreiben mussten.
Es sind Menschen, die hier gelebt, gearbeitet, Lohnsteuer und Sozialversicherung bezahlt haben und teilweise von einer Stunde auf die andere rausgejagt worden sind. Anspruch auf Arbeitslosengeld in Österreich haben sie ohne Wohnsitz nicht. Anspruch auf Entschädigungen auch nur wenig - unterschrieben ist unterschrieben. Zynisch und kalt ist das. Es stimmt, dass sehr viele Menschen nach der Unterschrift, nach dem Generalputz oder nach der Arbeit die Unterkünfte schleunigst verlassen mussten.
Es stimmt, dass Menschen sogar mitten in der Arbeit gesagt worden ist, sie müssten sofort zusammenpacken und fahren.
Es stimmt, dass Menschen auf der Straße gestanden sind, weil sie ohne Auto nicht weggekommen sind.

In diesen panischen Aktionen dieser Tage haben viele Infizierte das Land verlassen.



Ein Drittel, vielleicht auch mehr als ein Drittel der Saisonniers hat Hals über Kopf am Wochenende, für das die Schließung der Hotels und die Einstellung der Lifte angeordnet war, das Land verlassen. Ohne getestet oder auch nur befragt worden zu sein. Wenn in Sölden an die 4.000 Saisonarbeiter beschäftigt sind, viele davon Ausländer, und in Ischgl kaum weniger und in St. Anton usw., bekommt man eine Vorstellung davon, wieviel Ansteckungsrisiko hier schwuppdiwupp aus Tirol exportiert und Ländern wie Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Serbien usw. ungefragt frei Haus zugestellt worden ist. Würde man die hier bereits infizierten Tourismusangestellten, denen noch vor den Grenzsperren die Ausreise gelungen ist, zu den offiziell in Tirol positiv getesteten Personen dazurechnen, sähen die behördlich verbreiteten schlimmen Zahlen noch schlimmer aus.
Die Dunkelziffer wird eine Dunkelziffer bleiben, weil viele der Erkrankten keine andere Möglichkeit sehen, als in der nächsten Saison wieder hierher zu kommen.


Als Tirol am 5. März von Island auf mehrere Corona-Fälle in fünf namentlich genannten Hotels in Ischgl hingewiesen wurde, hat die Gesundheitsbehörde was gemacht? Die Belegschaft isoliert? In Quarantäne geschickt? Getestet? Nein, sie hat sie befragen lassen. Befragen lassen, wie es ihnen geht. In den eigenen Worten des Landes Tirol: „bei allen betroffenen Hotels den Gesundheitszustand aller MitarbeiterInnen erheben lassen“ (Aussendung, 16.5.2020).
Na, und was werden sie gesagt haben?

Sveicer Anett war Kellnerin in Ischgl. Dem ungarischen Fernsehsender Füred TV hat sie erzählt, was damals dort abgegangen ist.

  

 

 

Füred TV

Frau Sveicer ist dann allein mit dem Auto nach Hause gefahren.
Freilich, wenn sich zwei Gruppen von Isländern unabhängig voneinander in zwei verschiedenen Flugzeugen angesteckt haben (© Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber), dann wird sich die ungarische Kellnerin wohl auch in ihrem Auto angesteckt haben. Vielleicht übers Autoradio.

18.5.2020



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