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Die Selbstentlarvung eines Journalisten-Vereins

Der „Österreichische Journalisten Club“ (ÖJC) hat die beiden hoch angesehenen und früher einmal höchstdotierten Preise in Österreich für herausragende journalistische Leistungen, den „Prof. Claus Gatterer-Preis“ und den „Dr. Karl Renner Preis für Publizistik“, nachhaltig beschädigt und die von verschiedenen Einrichtungen zur Verfügung gestellten Preisgelder großteils selber verprasst. Das hatte Folgen.

Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: „Sie sind mir nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.“
Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zurück.


Äsop, griechischer Fabeldichter, 6. Jahrhundert v. Chr.


Viele Jahre lang, allzu viele Jahre lang hat dieser sehr, sehr seltsame Verein mit den gekeilten Sponsorengeldern vor allem sich selbst gesponsert. Der honorige Renner-Preis, früher einmal mit 7.000 Euro dotiert, ist, obwohl weiterhin und zwar bis zuletzt Gelder in seinem Namen eingeworben wurden, bereits 2010 auf 0,00 Euro (in Worten: null) herabgesetzt worden. Und der Gatterer-Preis, 2019 noch mit 10.000 Euro ausgestattet, wurde 2020 überhaupt nicht vergeben und soll ab heuer gleichfalls keinen lumpigen Euro mehr wert sein.




Financiers des Österreichischen Journalisten Clubs (vormals)


Der Gatterer-Preis ist erfreulicher Weise in seriöser Form inzwischen von anderer Seite neu aufgestellt worden, wird in wenigen Wochen erstmals vom ehrwürdigen Presseclub Concordia (gegr. 1859) verliehen und ist, wie es sich gehört, mit 10.000 Euro dotiert. Er hat mit dem vom ÖJC heruntergewirtschafteten „Prof. Claus Gatterer-Peis“ nichts gemein, der über kurz oder lang, das heißt: über sehr, sehr kurz und alles andere als lang, wohl auch komplett von der Bildfläche verschwinden wird.

Gewiss, das alles sind jetzt schon viel zu viele Zeilen über diese Apparatschiks, die als Journalisten allesamt keinen Namen haben. Dieser Klüngel ist das alles nicht wert, aber die Preise, die sie vergeben, sind es wert und die Persönlichkeiten, nach denen diese benannt sind, und die mit dem Renner-Preis und dem Gatterer-Preis ausgezeichneten ausgezeichneten Journalistinnen und Journalisten. Darum geht es. Und deshalb sollte auch der „Dr. Karl Renner Preis für Publizistik“ wieder in andere Hände kommen, integre, und dem früheren Renommee entsprechend dotiert werden.

Noch ist es nicht ganz soweit. Vorher erleben wir noch staunend, wie sich der „Österreichische Journalisten Club“ in aller Öffentlichkeit zum Deppen macht.




Ein Blumenstöckl mit einem Werbeschildl für den ÖJC auf dem Grab von Claus Gatterer in Sexten, mit dessen Namen der Club jahrelang dicke Geschäfte gemacht hat: Ist das degoutant?


In letzter Zeit und insbesondere durch den 2019 aufgedeckten Abrechnungsskandal ausgelöst, haben mehr oder weniger alle früheren Sponsoren des Vereins und damit seiner Journalisten-Preise das Weite gesucht und auch recht schnell gefunden. Die lange ahnungslosen und gutgläubigen potenten Unterstützer, denen der Verein all die Jahre nachgerannt ist, sind ihm allesamt endlich davongerannt.

Wie hat sich der Verein, vor allem in der Person seines offenbar auf Lebenszeit eingesetzten Präsidenten, nicht an sie herangewanzt! Kein namhaftes Unternehmen zu namhaft, um nicht mit ihm inniglich zu schmusen.
Die Pointe setzt der Verein selbst: Jetzt, da sich die Geliebten von ihm abgewandt haben, will er von ihnen nichts mehr wissen.


Und es kam so

2018 ist das Land Südtirol als jahrelang größter Sponsor des Journalisten Clubs ausgestiegen. Man hatte in Bozen das Geschäftsmodell des Vereins durchschaut: Die unter dem Titel Gatterer-Preis rundum eingeheimsten Gelder sollten weniger diesem, d.h. dem Preisträger oder der Preisträgerin, sondern hauptsächlich dem Verein selbst zugute kommen. Als die Funktionäre dann, bei einer Dotierung des Preises mit 10.000 Euro, dafür allein aus Südtirol 30.000 haben wollten, hatten sie endgültig zu hoch gepokert.
Also suchte man sich ein neues Opfer. Jemand musste das schöne Leben des Vorstandes und all die „Studienreisen“ und Seniorenausflüge (Besuche von Sektkellereien, Brauereien, Gartenschauen, Museen etc. - vom ÖJC selbst perfekt dokumentiert auf seiner Facebook-Seite) ja schließlich weiterhin finanzieren. Man fand zwei Opfer: das Land Burgenland und die Esterházy-Stiftung. Sie dürften 2019 – vorerst auf drei Jahre zugesagt – die vom Land Südtirol verweigerten 30.000 Euro jährlich (für den 10.000-Euro-Preis) genehmigt haben. Nach den hier am 17. September 2019 aufgedeckten Machenschaften des Journalisten Clubs haben sich die beiden neuen Sponsoren aus dem Burgenland ganz schnell auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, allen längerfristigen Vereinbarungen zum Trotz.




Vorher - nachher, orf.at


Jetzt, wo die schönen süßen Trauben unerreichbar sind, jetzt erst, fällt dem ominösen Club ein, dass er gar keine Trauben mögen mag, ja, dass sie ihm allesamt viel zu sauer sind. Und obendrein sogar giftig.




Presseaussendung des Österreichischen Journalisten Clubs 26.1.2021:
Der ÖJC tut grad so, als müsste
er durch die Abschaffung des Preisgeldes die auszuzeichnenden JournalistInnen vor der „wirtschaftlichen Einflussnahme“ jener Konzerne schützen, mit denen er selbst und nur er sich gemein gemacht hat. In Wahrheit bezichtigt er die Preisträger damit (und zwar pauschal), sich sonst leicht ihre Unabhängigkeit abkaufen zu lassen.


„Wir sehen keine Notwendigkeit für eine weitere Mitgliedschaft“

Vor Tische las man’s anders. Da legte der Vorstand sich mit jedem, drängte sich zu jedem, bei dem Geld in Aussicht war, ins Bett. Da ließ er sich Preisverleihungen unter anderen im noblen Novomatic-Forum in Wien ausrichten oder bei den Esterházys im Schloss in Eisenstadt oder von der Casinos Austria AG im Casino Kleinwalsertal oder von der Wiener Städtischen im Ringturm oder von der Oberbank im Oberbank Donau Forum in Linz. Ohne Genierer. Und fuhr zu diesen Veranstaltungen mit dem von Mercedes gesponserten Vito Business Van.

Während die Unternehmen Kapsch und Uniqa bereits vorher als Geldgeber des ÖJC, das heißt als Mitglieder mit einem hohen Förderbeitrag, ausgestiegen sind, sind es 2019 immer noch acht potente Unterstützer, die er auf seiner Website anführt:





Nun, wie sieht’s aus? Die Casinos Austria AG lässt wissen, sie sei bereits mit 2018 ausgestiegen. Die Oberbank teilt mir mit, dass sie bloß Mitglied des Vereins und kein Sponsor (mehr) sei. Die Siemens AG Österreich sagt, dass sie sich bereits vor einiger Zeit als Geldgeber verabschiedet habe. Wiener Städtische und Flughafen Wien AG möchten auch nichts mehr zu tun haben mit dem Österreichischen Journalisten Club:







Von Red Bull war keine Auskunft zu erhalten.
Land Burgenland und Esterházy-Stiftung: siehe oben.


Eine Journalisten-Vertretung, die Journalisten klagt

Wo gibt es sowas? Beim Österreichischen Journalisten Club. Weil die Journalistin Anna Wallner in der Presse am 17.9.2019 in aller Kürze meine Kritik an dessen faulen Geschäften referiert hat, wurde sie von diesem Alten-Herren-Club auf Unterlassung und Widerruf geklagt.
Streitwert: 35.000 Euro.
Funktionäre, die sonst so tun, als setzten sie sich für Pressefreiheit und gegen Zensur in aller Welt ein, vor allem da, wo das hip ist und sie das nichts kostet (Malta, Ungarn, Türkei usw.), gehen hier in Österreich gegen eine Kollegin vor, weil sie „ihren wirtschaftlichen Ruf gefährde“. Diesen (siehe das Abspringen der Sponsoren) und auch den einer ernstzunehmenden Vertretung freier Presse haben die Kläger längst selbst nicht nur gefährdet, sondern gänzlich eingebüßt.


Was für Heuchler!

Jetzt, nachdem ihr Geschäftsmodell gecrasht ist und der letzte vertrauensselige Geldgeber reißaus genommen hat, jetzt, im Hinscheiden ihres Vereins, jetzt - der Herr Präsident ist seit 32 Jahren (offenbar unabwählbarer) Präsident –, wollen sie plötzlich die Unabhängigkeit des Journalismus vom großen Geld entdeckt haben und haben doch nur ihre Unabhängigkeit von jeder Glaubwürdigkeit geoffenbart.
Noch einmal:



Presseaussendung der Österreichischen Journalisten Clubs 26.1.2021


Fliegen, sagten die Pinguine, ist total out.
Fliegen ist eine überholte und völlig abwegige Unart der Fortbewegung.



1.3.2021


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