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Der Imster Bürgermeister überlegt noch, was er von der Waffen-SS halten soll

Stefan Weirather, zugleich Landtagsabgeordneter der ÖVP, hat eine Nachdenkpause ausgerufen, in der herausgefunden werden soll, was für und was gegen die SS-Totenkopf-Verbände spricht, ob diese wirklich so schlimm waren, wie von einigen manchmal behaupet wird.
Bis das irgendwann einmal einigermaßen geklärt sein wird, in die eine oder in die andere Richtung, soll das SS-Ehrenmal auf Gemeindegrund auf jeden Fall erhalten bleiben.





Die SS-Gedächtnisstätte im Imster Putzenwald ist 1975 unter Vorspiegelung falscher Tatsachen errichtet worden: Es waren keine einfachen unschuldigen Soldaten, sondern Mitglieder einer Mordbrigade, der berüchtigten Waffen-SS, die hier nach Kriegsende mutmaßlich – womöglich weil sie sich durch Flucht ihrer Verhaftung und ihrer Verantwortung entziehen wollten – erschossen wurden.



Verbrecherische Organisation

„Waffen-SS“ war ab 1939 die Bezeichnung für die schon früher aufgestellten militärischen Verbände der nationalsozialistischen Parteitruppe SS. Ab Mitte 1940 war sie organisatorisch eigenständig und unterstand dem direkten Oberbefehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler. Ihr gehörten sowohl Kampfverbände als auch die Wachmannschaften der Konzentrationslager an, die Wachmannschaften wurden jedoch ausschließlich von den Totenkopf-Wachsturmbannen und den SS-Totenkopfstandarten gestellt. (…) Es gab einen regen Personalaustausch zwischen den die KZ bewachenden Totenkopfverbänden, der „Totenkopf“-Division und weiteren Verbänden der Waffen-SS.

Ihre Kampfverbände wurden im Zweiten Weltkrieg dem Oberbefehl der Wehrmacht unterstellt, kämpften an der Front und wurden zur Sicherung der okkupierten Gebiete gegen Widerstandskämpfer eingesetzt. Aufgrund ihrer Beteiligung am Holocaust, am Porajmos und an zahlreichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die zivile Bevölkerung wurde sie 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zur verbrecherischen Organisation erklärt.

Sie tat sich aber vor allem durch besondere Härte und Grausamkeit, insbesondere gegen die Zivilbevölkerung, hervor. Mit der SS wurde die Waffen-SS im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1946 als verbrecherische Organisation verboten. In Österreich wurde darüber hinaus ein Werbungs- und Propagandaverbot erlassen.

Angehörige der Waffen-SS waren unter dem Deckmantel der „Partisanenbekämpfung“, als bewaffnete Ausführende der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD sowie mit ihren Totenkopfverbänden und zwei Brigaden auch direkt am Holocaust beteiligt.

Wikipedia




Schleifen, entfernen, raschest beseitigen, ersatzlos auflösen

Imst war seinerzeit tirolweit die Stadt mit dem höchsten Anteil an zunächst illegal und nach dem Anschluss legalisiert hemmungslos agierenden NS-Aktivisten. Die Pläne seitens der Stadt, an der Stelle im Putzenwald eine Gedenktafel anzubringen (mit der üblichen Heuchelei über Opfer und Gefallene), sind entbehrlich. Stattdessen sollte dieser für Einschlägige anziehende Platz geschleift werden.

Ferdinand Karlhofer, Universitätsprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck


Das Grabdenkmal in Imst ist meines Erachtens nicht haltbar, da die Toten ja offenbar woanders bestattet wurden und Gräber haben. Deshalb hat es seine Funktion verloren und ist ersatzlos aufzulösen. Ich würde außerdem die kursierende Darstellung der Ereignisse überprüfen und die Ergebnisse im Stadtmuseum darstellen. Das hat offenbar noch niemand gemacht. Eine willkürliche Erschießung durch US-Soldaten erscheint mir unwahrscheinlich.

Peter Pirker, Historiker und Politikwissenschafter (Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck)


Umgestalten in ein Denkmal für den Widerstand geht gar nicht. Deshalb wäre ein Entfernen dieses Denkmals wohl eine sinnvolle Lösung. Dieser Lösung kann ich viel abgewinnen.
Der Widerstand gegen die Nazis kann nur getrennt davon behandelt werden.

Reinhold Gärtner, em. Universitätsprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck


Jedes Zögern und jedes Hinausschieben – etwa auch durch die laut Medienberichten von Ihnen vorgeschlagene „Nachdenkpause“ – ist ein verheerendes Signal in die Richtung, dass über die Entfernung noch diskutiert oder gar eine Neugestaltung in Erwägung gezogen werden müsse.
Das Mauthausen Komitee Österreich richtet an Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister, und an den Gemeinderat der Stadt Imst den dringenden Appell, im Sinne des antifaschistischen Auftrags unserer Bundesverfassung das SS-„Ehrenmal“ raschest zu beseitigen. Nur so kann ein Schaden für die Demokratie und für den Ruf der Stadt Imst vermieden werden.

Mauthausen Komitee Österreich


Wer das Denkmal 1975, also 30 Jahre nach Kriegsende, initiierte und warum, scheint in der bisherigen Debatte keine Rolle zu spielen, ist aber zentral, handelt es sich doch um die Frage, wie mit dem Nationalsozialismus umgegangen wurde und wird. Das Denkmal erst nach einer eventuellen historischen Aufarbeitung entfernen lassen zu wollen, erinnert an das übliche, durchaus peinliche und geschichtsvergessene Relativieren der Vergangenheit, was derselben angehören sollte.

Sabine Pitscheider, Historikerin


Offener Brief an den Bürgermeister von Imst (5.7.2021)


* * *

Erledigt



13.8.2021


Früher mit, jetzt ohne.


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