spacer
home


die andere seite der   home

akut | tagebuch | forum | archiv | kontakt
 


RSS Feed | auf facebook abonnieren news auf facebook folgen
 
 

TT-Boss Hermann Petz hat ein Buch geschrieben. Abgeschrieben.
Über weite Strecken.


Wenn wir schon bei der Tiroler Tageszeitung und beim Abkupfern sind: Der Stamm steht nicht weit von den Äpfeln, die herunterfallen. Anders gesagt, der oberste Abschreiber sitzt ganz oben. Und der Adler ist, logo, gar kein Adler, sondern nur ein Gockel, ein aufgeblasener. Der sich mit fremden Federn schmückt.



Tiroler Tageszeitung, 20.6.2015

Nein, ich bin kein Masochist. Ich habe, fast möchte ich sagen: versehentlich, in einer Buchhandlung das Buch aufgeschlagen und da ist mein allererster Blick auf die Formulierung „vor dem Horizont der Fülle flottierender Deutungen flexibel werden“ geknallt. Und hab dann Anführungszeichen gesucht oder einen Hinweis darauf, dass es sich um ein Zitat handelt. Nichts.
„Horizont der Fülle flottierender Deutungen“? Das ist nicht der Petz, den ich kenne. Der Petz, den ich kenne, ist ein Seitenblicke-Kasperl, das sich selbst geschätzte fünfmal pro Woche ins eigene Blatt drängt. Aber „Horizont der Fülle flottierender Deutungen“ geht über den seinigen.
So wurde ich neugierig und hab schweren Herzens 17 Euro 90 für ein Buch hingelegt, von dem ich wusste, dass es 17 Euro 90 niemals wert sein würde.

Ich ging heim und gab ein paar hochverdächtige Stellen, die unmöglich auf dem Mist des aufgeplusterten Giggers gewachsen sein konnten, in die Suchmaschine ein und siehe da, die Petz-Passagen fanden rasend schnell ihre wahren Urheber.

Hermann Petz (2015)




Bernhard Pörksen (Spiegel, 2/2015)





Nein, ich habe nicht das gesamte Buch (gähn! schnarch!) systematisch durchkämmt, viele weitere Stellen - „digitale Vielfalt und Allverfügbarkeit verwöhnter Jungkonsumenten“, „globale interpersonale Kommunikation“, „irritierende, disruptive Entwicklung“, – riechen, nein, stinken nach Plagiat.
Ich bin überzeugt, dass Petz genauso wenig weiß, was eine disruptive Entwicklung ist, wie ich und mein Fremdwörterduden. Sein Motto: Kopieren statt kapieren.


Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)






Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)






Petz‘ eigener Schreibstil ist ein ganz anderer, durchaus hauptschulmäßiger. Beispiele:

„Es gab durchaus Zeiten, in denen sich der ‚Kurier‘ am Boulevard versucht hat, mit wenig Erfolg. Die jetzige Linie ist ein durchaus homogenes Angebot …“

„Allerdings gibt es mittlerweile auch ein bezahltes Kernteam. Die ‚Huffington Post‘ betreibt das Geschäft mittlerweile in zehn Staaten …“

„Ein Faktum, das vor allem Werber, die bislang noch vor allem auf Verbreitung setzen, stutzig machen sollte.“


Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2011)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)






„Eine Denkschrift“ nennt Petz sein Buch im Untertitel. Nur weil er sich denkt, da kommt keiner drauf, dass das abgeschrieben ist, ist es aber noch lange keine Denkschrift.

Das alles hat bis jetzt niemand bemerkt? Nun, vermutlich bin ich nicht nur der einzige, der das Buch gekauft hat, sondern bis heute auch der einzige, der es überhaupt gelesen hat.




Hammer! Die ganze Welt diskutiert Petz‘ Buch. So lässt sich Petz auf seiner Home-Page (im wahrsten Sinn des Wortes) hochloben.
Nur: Zu diesem Artikel auf tt.com vom 15.10.2015 gibt es bis heute nicht ein einziges Posting. Self
notfullfilling prophecy nennt man das wohl.




Das Buch ist erschienen im Juni 2015, aber es sind bis heute „keine Pressestimmen vorhanden“.
In Worten: keine.


Das Büchlein ist auch schlecht lektoriert, vieles wird drei-, vierfach durchgekaut, Plattes wird durch unendliches Auswalzen noch platter (fast schon Günther), Allbekanntes („Snowdens Enthüllungen lösten weltweite Empörung bis in höchste Kreise aus. … Seit 2013 hat er Asyl in Russland, wo er anonym an einem geheimen Ort lebt.“) wird wie in einem Schulaufsatz nacherzählt. Das alles hat, mit Ausnahme der gestohlenen Passagen, wenig mit einem Fachbuch zu tun. Auf Seite 29 wird übrigens (Hallo Lektorat! Ist da jemand?) auf ein Kapitel 10 verwiesen, das es im Buch gar nicht gibt (hier).

Und so einer, ausgerechnet, will uns was von der Sorgfalt des gedruckten Wortes, von den Vorteilen von Print erzählen. (Und von der Unseriosität und Unterlegenheit jenes Internets, in welchem er gerade aufgeblattlt wird.)

Man kann sich, wenn man mit dem Magen keine Probleme hat, auf Youtube Interviews mit Hermann Petz anschauen. Da ist nie von „politischer Reaktanz“, „kognitivem Training durch das Entschlüsseln symbolischer Kommunikation“ oder dem „Gesetz der kognitiven Dissonanz“ die Rede. Das ist alles nicht seins. Im wahrsten Sinn des Wortes.


Der Adler sieht mehr*
… danach aus, dass er sich mit fremden Federn geschmückt hat

„Das hemmungslose Kopieren geistigen Eigentums ist der größte Schaden, der wissenschaftlichen
wie medialen Institutionen zugefügt werden kann.“


Hermann Petz (2012)


Hermann Petz passt zur TT. Er, der sich ohnehin, adabei da, adabei dort, als deren Gesicht nach außen sieht, repräsentiert sie mit diesem Buch in geradezu perfekter Weise (zum Vergleich).

*) „Der Adler sieht mehr“ war viele Jahre lang der Werbeslogan der Tiroler Tageszeitung (hier)


Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Original - Christoph Fasel (2012)




Plagiat - Hermann Petz (2015)





Gänsefüßchen? Ach was! Gockel haben doch keine Gänsefüßchen!

Die Stellen oben stammen alle aus nur zwei Quellen, die mir halt zufällig online zur Verfügung gestanden sind (hier bzw. hier). Zwei Publikationen, die Hermann Petz natürlich nicht anführt in seinem hochtrabenden Literaturverzeichnis, in welchem er mit Namen von Bestsellerautoren, die er nie gelesen hat, nur so um sich wirft.


Im Plündern ein Meister: Petz

Und im Fährtenverwischen. Fachbuchautoren seines eigenen Faches kennt Petz durchwegs nur aus kurzen Internetmeldungen über deren Bücher oder Studien. Daraus bedient er sich dann. Sein Buch, das er als Breitseite erstens gegen das unbezahlte Übernehmen von journalistischen Inhalten und zweitens gegen Journalismus im Internet verkaufen will, ist gerammelt voll von unbezahlt aus dem Internet kopierten Passagen aus journalistischen Artikeln. Petz‘ Büchlein ist, früher hätte man gesagt: zusammengestoppelt, heute muss man sagen: zusammengegoogelt.




Man will uns einen Petz aufbinden: In „seinen“ Bezirksblättern, die „seiner“ Moser-Holding AG gehören, lässt der TT-Boss sich und sein Buch schamlos abfeiern. Und einen nachweislich gestohlenen Satz als eines der „besten Zitate von Hermann Petz“ ausgeben (www.meinbezirk.at).

Zwischendurch muss Petz wohl selbst immer einmal wieder leichte Bedenken gehabt haben, dass es mit dem Markierenkopiereneinfügen zuviel werden könnte, also ist er ans Trüben der Quellen gegangen, ans Paraphrasieren der übernommenen Textstellen. Er lässt dort was weg oder fügt da was ein, stellt ein bisschen um oder tauscht einfach Begriffe aus: Aus dem „Nutzer“ (im Original) wird bei Petz der Leser, aus „Geld für redaktionelle Inhalte ausgegeben” macht er ein für ein redaktionelles Produkt bezahlt, „journalistisches Expertentum im Web verkaufen” modelt er in redaktionelles Expertentum vermarkten um, die ergoogelten „anspruchsvollen und meinungsstarken Inhalte” macht er zu einem anspruchsvollen und meinungsstarken Auftritt, aus einem „Online-Bezahlmodell“ macht er ein billiges Bezahlangebot online, aus „doppelt so viele“ eine Verdoppelung. Usw.

Oder aber er bedient sich bei Wikipedia. Der Zeitungsmann, seiner Selbstseinschätzung nach mindestens der bedeutendste Österreichs, muss ins verhasste Internet gehen, um sich dort die Basics seines eigenen unmittelbaren Fachbereiches zu holen und sie dann minimal umzuformulieren.
Wikipedia zur Geschichte der Zeitung: „Die erste Tageszeitung der Welt kam 1650 in Leipzig heraus … die Einkommenden Tageszeitungen.“ Hermann Petz: Ab 1650 gibt es in Leipzig die erste Tageszeitung der Welt – die Einkommenden Zeitungen …“. Wikipedia: „Diese erschienen an sechs Tagen in der Woche.“ Hermann Petz: „… die schon sechsmal in der Woche erscheinen“. Wikipedia: „1703 erschien erstmals das Wiener Diarium und damit die Wiener Zeitung.“ Hermann Petz: „1703 erscheint in Österreich zum ersten Mal das Wiennerische Diarium, übrigens bis heute am Markt als Wiener Zeitung.“

Man soll’s nicht merken, aber man merkt’s und ist verstimmt, weil betrogen.

Wenn die Welt (4.2.2012) schreibt, „eine Studie der Universität Chicago hat ergeben, dass Facebook süchtig machen kann. Das Potenzial ist sogar größer als bei Nikotin und Alkohol,“ so macht Petz (2015) daraus: „So hat eine Studie der University of Chicago ergeben, dass das Potenzial, süchtig nach Facebook zu werden, größer ist als nach Nikotin oder Alkohol.“ Und fährt fort mit: „Die Testpersonen dieser Studie waren im Extremfall sogar bereit, alltägliche Notwendigkeiten zugunsten ihrer Social-Media-Aktivitäten zu vernachlässigen.“ – Eine minimale Umformulierung der entsprechenden Passage in der Welt, die da lautet: „Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Probanden bereit waren, viele Dinge in ihrem Alltag für Social Media zu vernachlässigen.“


Ein Gockel, der nur googelt

„Hermann Petz: „Google saugt die Inhalte von den Medienanbietern ab und stellt sie den Usern gratis zur Verfügung.“ (Seite 146)

Da ist der Petz aber ganz anders. Er saugt die Inhalte von Google gratis ab und stellt sie den Lesern seines Buches kostenpflichtig zur Verfügung.


Hermann Petz schimpft in seinem Buch massiv gegen Google. Google sei nicht verlässlich, nicht glaubwürdig und habe zuviel Macht. Aber noch wenn er sich groß aufplustert gegen Google, tut er das mit Sätzen, die er sich bloß ergoogelt hat. Das ist so krank, dass er, wenn die Bestohlenen ihn demnächst wegen Verletzung des Urheberrechts klagen sollten, unbedingt auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren müsste.


Cover-Version Hermann Petz:




Original-Version www.heise.de:





Cover-Version Hermann Petz:




Original-Version www.swp.de:





Cover-Version Hermann Petz:




Original-Version www.orf.at:





Cover-Version Hermann Petz:



Original-Version www.handelsblatt.com:




Wobei Petz im letzten Beispiel beim Abschreiben nicht einmal auffällt, dass im Original das Greenfield-Zitat durch einen Handelsblatt-Text unterbrochen ist.

Wie gesagt, all das habe ich auf die Schnelle in wenigen Stunden ohne fremde Hilfe und ohne spezielles Softwareprogramm gefunden. Ich hatte und habe auch keinen Zugriff auf die Fülle grauer Literatur (Fachartikel, Vorträge, Markterhebungen etc.), die von Petz zusätzlich ausgebeutet wird.
Wer mag, kann ja weitersuchen oder entsprechend zu GuttenPlag Wiki oder VroniPlag Wiki
ein PetziPlag Wiki einrichten, aber wirklich wichtig ist es nicht mehr.

Seine Karriere als Bestsellerautor kann Petz ohnehin abschreiben.
Wie er es bei seinem Buch gemacht hat.


25.11.2015


Hier wird über Hermann Petz und die unzähligen Plagiate in seinem Buch
direkt im Forum diskutiert
.




          DRUCKEN       WEITERSAGEN       KOMMENTIEREN
     

 

Alle Akut-Artikel

startseite | inhaltsverzeichnis | impressum