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Crowdfunding für die Prozesskosten in der Causa Festspiele Erl 


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Wie der ominöse „Journalisten Club“ seine Sponsoren planmäßig aussacklt

Der Claus-Gatterer-Preis war 2013 mit 5.000 Euro dotiert. Als Gesamtkosten wurden 44.970,97 Euro angegeben. Im Jahr 2018, das Preisgeld war auf 10.000 Euro angehoben worden, betrug (klein geschrieben) die hochgerechnete, die sowas von hoch gerechnete Gesamtsumme bereits 53.952,61 Euro. Kein Wunder, dass das Land Südtirol 2018 als Sponsor ausgestiegen ist und das Burgenland und die Esterházy-Betriebe es ihm nach dieser Geschichte gleich getan haben.

Da die Abrechnung von 2019 (uns) noch nicht vorlügt, schauen wir uns halt die kreative Kostenaufstellung an, wie sie den Sponsoren des „Prof. Claus Gatterer-Preises 2018“ präsentiert worden ist.





Wieder, wir kennen das Prinzip bereits aus der jahrelangen Praxis des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), werden für ein versendetes Massenmail an bereits im ÖJC-Computer gespeicherte 4768 Adressen pro Mail (!) 0,35 Euro in Rechnung gestellt. Für einen einzigen Klick auf die Enter-Taste ergibt das in Summe 1.668,80 Euro.





Um so ein 08/15-Mail - hier von 2019 - handelt es sich dabei:



(vergrößern)


Weil das Versenden eines solchen Massenmails für den ÖJC so lukrativ ist, wird nach jenem zur Ausschreibung des Gatterer-Preises vom 30.1.2018 ein weiteres zur Erinnerung an das Ende der Einreichfrist verschickt. An zwei Adressen weniger ergibt das ein Minus von 70 Cent, aber immerhin noch 1.668,10 Euro. Kein Klacks für einen Klick.





Und um sich dieselbe schöne Summe noch einmal zu sichern, wird das Ergebnis der Jurysitzung im April wieder via oejc-mailinglist@oec.at verschickt, womit sich allein die drei Massenmail-„Kosten“ auf hübsche 5.005,70 Euro belaufen. Noch bevor ein Journalist beim Gatterer-Preis irgend etwas gewonnen hat, hat der ÖJC schon gewonnen. Weil er aus absoluten Nichtauslagen solche Auslagen kreiert.




Keine Papierkosten, keine Druckkosten, keine Portokosten – trotzdem eine Auslage von 1.668,10 Euro


Rechnen, sich rechnen, verrechnen, sich verrechnen – die Begriffe bekommen hier einen tieferen Sinn

Wer jetzt glaubt, in diesen Summen seien Bürokosten schon enthalten, irrt. Irrt gewaltig. Die Sponsoren des Gatterer-Preises müssen sogar für die jahresdurchgängigen Verwaltungs- und Personalkosten des Journalisten Clubs anteilsmäßig aufkommen, und das nicht zu knapp. Fast 20 Prozent von den angeblichen Jahresaufwendungen (zwölf Büromieten plus Betriebskosten und vierzehn Gehälter für zwei Personen) werden dafür den Geldgebern des Gatterer-Preises in Rechnung gestellt.
Allein Margarete Turnheim, die Ehefrau des ÖJC-Präsidenten Fred Turnheim, die er als Sekretärin eingestellt hat, erhält monatlich 3.902,99 Euro (brutto). Dem Kollektivvertrag der Journalisten entsprechend. Noch einmal: als Sekretärin. Da muss ihr der Herr Gemahl wohl einen ÖJC-Presse-Ausweis ausgestellt haben.




Personalkosten und Büromiete im 1. Bezirk belaufen sich demnach auf 130.791,84 Euro. Davon werden den Finanziers des „Prof. Claus Gatterer-Preises“ für eine einzige, knapp zweistündige Veranstaltung zur Verleihung 25.473,66 Euro hinaufdividiert.


Noch interessanter als diese abenteuerliche Aufstellung der angeblichen Ausgaben wäre freilich eine der tatsächlichen Einnahmen des ÖJC unter dem profitablen Titel „Prof. Claus Gatterer-Preis“. Ob diese haltmachen bei den konstruierten 54.000 Euro oder gar darüber hinausschießen? In den vergangenen Jahren zahlten (über eine Umlegung von Sponsoreinnahmen beim „Dr. Karl Renner-Publizistikpreis“, ein Geschäft, das sich der ÖJC zusätzlich gesichert hat) auch Konzerne wie Kapsch, Siemens, Uniqa, Wiener Städtische, Oberbank, Flughafen Wien AG und Casinos Austria in den „Gatterer-Preis-Fonds“ ein. Dies alles, wohlgemerkt, bei Einnahmen allein aus Mitgliedsbeiträgen des Vereins von weit über 600.000 Euro jährlich.

Und so ist der Österreichische Journalisten Club, der dieses Businessmodell betreibt, für die Vergabe des Preises 2018 auf einen vorläufigen (!) Gesamtbetrag von 53.952,61 Euro gekommen. Mit dieser wahnwitzigen Aufstellung klappert er die Sponsoren ab.





Nach alldem, was hier und schon früher gesagt und gezeigt worden ist, sollte kein ernstzunehmender Journalist, keine wirklich engagierte Journalistin mehr den Gatterer-Preis oder den Renner-Preis annehmen, solange er noch von diesem Österreichischen Journalisten Club vergeben wird.


2.10.2019



Kleine Chronologie der Ereignisse der letzten drei Monate


27.6.2019: Zuerkennung des „Prof. Claus Gatterer-Preises 2019“.
Hier

28.8.2019: Ich sehe mir an, wer die Preisverleiher sind und wer hinter ihnen steht. Und erkläre, warum ich nicht zur Preisverleihung nach Eisenstadt fahre.
Hier


29.8.2019: Die Reaktion darauf ist die Aberkennung des Gatterer-Preises. Damit verbunden die Verbreitung von Unwahrheiten durch den Veranstalter.
Denen ich in einer kurzen Dokumentation entgegentrete.
Hier


5.9.2019: Es folgt die Verleihung des Preises an die Ersatzpreisträger mit den von mir vorhergesehenen peinlichen Auftritten der Veranstalter.
Hier


17.9.2019: Ich veröffentliche die Geschichte „Die Herren vom „Österreichischen Journalisten Club“ und ihr Geschäftsmodell Claus-Gatterer-Preis“, der mit dem Aufruf endet: „Rettet den Gatterer-Preis!“
Hier


18.9.2019: In Reaktion auf meine Recherche zu den Hintergründen und Abgründen des Journalisten Clubs tun sich ehemalige Gatterer-Preis-Träger zusammen und bereiten eine Aktion zur Rettung des Gatterer-Preises vor.


20.9.2019: Der Österreichische Journalisten Club weiß angesichts des damit drohenden Unheils nichts Besseres zu tun, als sich zusätzlich zum Titel „Prof. Claus Gatterer-Preis verliehen vom Österreichischen Journalisten Club“ für alle Fälle auch noch schnell die Wortmarke „Claus-Gatterer-Preis“ patentamtlich eintragen zu lassen.
Hier


24.9.2019: Pfeifen im Wald: Der ÖJC spricht in einer Aussendung von beschädigtem Ansehen und tut so, als würde er klagen wollen.
Hier


25.9.2019: Die aktuellen Hauptsponsoren des Preises, die burgenländische Landesregierung und die Esterházy-Betriebe, reagieren auf die Kritik und steigen aus der Kooperation mit dem Journalisten Club aus.
Hier


25.9.2019: 28 namhafte ehemalige Preisträger gehen mit ihrer Kritik am Österreichischen Journalisten Club an die Öffentlichkeit und fordern diesen auf, die Ansprüche auf den Gatterer-Preis aufzugeben.




Der offene Brief

Fortsetzung folgt




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